Schaumburg / Illinios

Schaumburg/Illinois
Gestern: Schaumburg shall et heiten

Nach dem Ende der Indinanerkriege im Jahre 1832 wurde der Raum nordwestlich von Chicago vermessen und für die Besiedlung freigegeben. Die ersten Ansiedler waren anglo-amerikanischer Herkunft. Sie nannten ihre kleine Ortschaft Sahra`s Grove.
Ab 1840 kamen die ersten Deutschen. Es waren Menschen aus dem Königreich Hannover. Erst ab 1845 folgten ihnen die ersten Schaumburger. Sie stammten alle aus Apelern und seinen umliegenden Dörfern.

Die Zuwanderer aus Schaumburg waren schon nach wenigen Jahren in der Überzahl.

Es wird berichtet, dass in einer lebhaften "Townversammlung" im Jahre 1851 über einen neuen Namen für den Ort debattiert wurde. Schließlich hat Friedrich Nerge, der aus Reinsdorf bei Apelern stammte, mit der Faust auf den Tisch geschlagen und die Diskussion mit dem Ausruf beendet: "Schaumburg schall et heiten".

Die Schaumburger waren zumeist sogenannte Kleinstellenbesitzer gewesen. Sie suchten für sich und ihre Kinder eine bessere Zukunft. Dabei half ihnen der enge, oft verwandtschaftliche Zusammenhalt untereinander. Sie begannen sehr schnell, landwirtschaftliche Produkte anzubauen und Farmen zu errichten. Schon nach wenigen Jahren hatten sie sich erfolgreich etabliert und Schaumburg war zu einer nicht ganz 1.000 Seelen zählenden Gemeinde herangewachsen. 1863 wurde die "Deutsche evangelische Kirche St. Peter" als festes Steingebäude errichtet.

Eine Katastrophe beförderte den weiteren Aufschwung von Schaumburg. 1871 war das nahe Chicago fast vollständig einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. Doch die Großstadt wurde schnell wieder aufgebaut und wuchs in einem rasanten Tempo. Die Bevölkerung benötigte frische landwirtschaftliche Produkte. Zur selben Zeit fand Schaumburg Anschluss an den Schienenstrang. Die Schaumburger erkannten ihre Chance und begannen, vor allem Molkereiprodukte nach Chicago zu liefern. Um 1880 gab es mehr als zehn Molkereien im kleinen Schaumburg. Es zahlte sich aus: Schon die erste und zweite Generation kam auf diese Weise zu Wohlstand,

Die Einwohnerzahl jedoch stagnierte. Neue Zuwanderer aus Deutschland kamen nicht mehr. Die wenigen Anglo-Amerikaner waren bald verschwunden. Auch eine Vermischung zwischen Hannoveranern und Schaumburgern gab es nicht. Um 1900 galt Schaumburg als rein deutsche Gemeinde - nahezu einmalig in Nordamerika - , dessen Bewohner nach wie vor das aus Deutschland beibehaltene Schaumburger Platt sprachen. Erst in den 20er Jahren wurde damit begonnen, Gottesdienste auch in englischer Sprache zu halten.

Der große Wandel kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Die großen Städte Nordamerikas erlebten einen Prozess der Suburbanisierung. Immer mehr Menschen weißer Hautfarbe verließen die Innenstädte, um sich in den rasch wachsenden Vorstädten anzusiedeln. Schaumburg profitierte davon. In seiner unmittelbaren Nähe wurde überdies der Weltflughafen O´Hare gebaut und mit großen Autobahnen optimal erschlossen.

Wieder erkannten die Schaumburger ihre Chance. Sie gaben sich das Motto "Fortschritt durch überlegte Planung" und legten klare Entwicklungsziele für ihr Gemeinwesen fest. Verbunden mit einer intelligenten und vorausschauenden Steuerpolitik gelang es den Schaumburgern, große Firmen in ihrer Stadt anzusiedeln. Der Technologieriese Motorola errichtete sein Hauptquartier in Schaumburg. Das damals größte Einkaufs-Mall , Woodfield, wurde in Schaumburg gebaut. Die Einwohnerzahl wuchs rasch: Waren es noch in den 50er Jahren nicht viel mehr als 1.000, so sind es heute über 80.000 Menschen , die in Schaumburg leben. Und viele davon finden dort auch Arbeit.

Schaumburg verlor seinen deutschen Charakter und wurde multi-ethnische Stadt der guten Mittelschicht. Alle deutschen Familien der Gründerzeit haben inzwischen ihre Grundstücke, Farmen und Häuser verkauft und sind in der Regel als wohlhabende Leute in andere Teile der USA verzogen.