Reisen & Austausch

Schaumburger Lehrer in Schaumburg Amerika

Auf Initiative der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft fand kürzlich der erste Teil eines Lehreraustausches mit Schaumburg, Illinois, statt.
Dreizehn interessierte Lehrerinnen und Lehrer der Gymnasien in Bad Nenndorf, Bückeburg und Stadthagen, begleitet vom stellvertretenden Vorsitzenden der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft, Jürgen Watermann, waren für 12 Tage zu Gast beim High-School-District 211 in Schaumburg, USA.
Wie üblich bei diesen Besuchen waren die Teilnehmer bei amerikanischen Kolleginnen und Kollegen untergebracht. "Wir sind alle sehr gespannt, wer bzw. was uns erwartet," meinte der Senior der Gruppe, Günter Heitmeyer, vom Ratsgymnasium in Stadthagen, beim Start. Aber alle waren positiv überrascht von der Herzlichkeit der Aufnahme in den Gastfamilien.

Den Teilnehmern wurde ein sehr interessantes Fachprogramm geboten. So besuchten sie die High-Schools in Schaumburg, Hoffmann Estates und die Fremd High-School in Palatine. Eine Anmerkung zur Größenordnung der Schulen: Jede hat zwischen ca. 3.000 Schüler; der gesamte School-District hat über 16.000 Schüler.

Die Direktorin der Schaumburg High-School, Frau Dr. Cross, erläuterte die Organisation sowie die sächlichen und personellen Ressourcen der Schule und behandelte grundsätzliche Fragen des Lehrstoffes und der Unterrichtsorganisation. Zwei Dinge traten dabei ganz deutlich zu Tage.
Zum einen wurde klar, dass eine amerikanische High-School letztendlich eine Gesamtschule von Klasse 9 bis 12 ist. "Wir haben drei unterschiedliche Leistungslevel, die mit entsprechendem Lehrangebot unterlegt sind," so Frau Dr. Cross. Auch handwerkliche Fächer stehen auf dem Stundenplan, die bei uns in den Berufsschulen zu finden sind. Einen sehr hohen Stellenwert genießt das sportliche Engagement.
Zum anderen waren die deutschen Lehrer von der Ausstattung der Schulen mit eigenen Turnhallen, Hallenschwimmbädern, Fitnessräumen usw. sowie der umfangreichen Computerausstattung sichtlich beeindruckt.
Fast ungläubig wurde die Ausführung von Frau Dr. Cross aufgenommen, dass der Altersdurchschnitt des Kollegiums bei unter 30 Jahren liegt; außerdem habe der Schulbezirk lange Liste von Bewerbern für Lehrerstellen.
Hierfür gibt es zwei Gründe.
Einerseits ist die amerikanische Lehrerausbildung mit der in Deutschland nicht zu vergleichen. Die Ausbildungsschritte sind wesentlich kleiner. Dr. Cross: "Es ist nichts Ungewöhnliches, dass amerikanische Lehrer schon mit 22 Jahren ihre ersten Unterrichtsstunden in einem Fach geben. Weitere Fächer kommen nach neuerlicher Weiterbildung sukzessive dazu." In Deutschland dagegen haben Gymnasiallehrkräfte in der Regel erst mit 27 Jahren ihre Ausbildung beendet.
Andererseits ist der Bezirk 211 einer der Schulbezirke in den USA, der am besten ausgestattet ist und die besten Gehälter zahlt. Von daher hätte die Schule keine Probleme, sehr gut qualifizierten Lehrkräftenachwuchs zu bekommen, berichtete die Direktorin.
In den High-Schools in Hoffman Estates und Palatine nahmen die deutschen Lehrer an Unterrichtsstunden teil, um die Lehrmethoden ihrer amerikanischen Kollegen kennen zu lernen.
Im Vergleich der Schulen war sehr deutlich festzustellen, wie stark sich die unterschiedlich Bevölkerungsstruktur, insbesondere die soziale Struktur, direkt auf die Schule auswirkt.

Sehr aufschlussreich war der Besuch der Roosevelt University, die in Schaumburg ihren Hauptsitz hat. Das Thema der Lehreraus- und -fortbildung nahm hier noch einmal einen breiten Raum ein.

Im Harper College wurde die Gruppe vom College-Präsidenten, Herrn Breuder, auf deutsch begrüßt; seine Eltern stammen aus Deutschland. Das Harper College hat zur Zeit ca. 26.000 Studenten in verschiedensten Fachrichtungen. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Studenten sind Erwachsene, die sich sowohl tagsüber als auch in Abendkursen weiterbilden.

Selbstverständlich stand auch Empfang beim Bürgermeister, Al Larson, auf dem Programm. Im Anschluss daran gab es eine "Tour of Schaumburg" mit Besuch der Library (Bücherei), des Fire Departments und des Police Departments. Bei letzterem erhielten die Teilnehmer interessante Informationen über deren Zusammenarbeit mit den Schulen; wie bei uns sind auch dort Gewalt und Drogen ein Thema. Aber auch das Naturreservat Spring Valley und als Gegensatz dazu, der örtliche Flughafen waren Stationen der Tour.

Natürlich gab es auch ein attraktives Rahmenprogramm.
So verbrachte die Gruppe einen gemeinsamen Tag in der Weltstadt Chicago mit ihrer herrlichen Skyline und den beeindruckenden Gebäuden. Je nach Gusto besuchten die Teilnehmer das naturwissenschaftliche Field-Museum oder das Art Institut of Chicago, wo es neben vielen anderen Exponaten die blauen Fenster von Marc Chagall zu bestaunen gab. Nach weiteren Stationen wie der Union Station - dem neuerbauten alten Bahnhof - erlebte man bei einer Bootsfahrt durch den Chicago-River und den Hafen die Stadt und das Leben vom Wasser aus.
Beim Kaffee in der Bar des Hancock-Building im 97. Stockwerk genossen alle den herrlichen Blick über die Stadt und den Lake Michigan.

Beim traditionellen Pot-Luck-Dinner am Abschiedsabend waren sich alle einig. Der Besuch war ein voller Erfolg. Im Namen der Teilnehmer bedankte sich Jürgen Watermann mit dem Slogan unseres heimischen Landkreises: "Wir waren "In Schaumburg zu Hause", hier bei Euch in Amerika". Watermann weiter: "Wir freue uns schon heute auf Euren Gegenbesuch im Juni 2005".